Erstaunlicher Weise gibt es während der Feiertage immer wieder eine große Zahl von Noteinweisungen: Krankheiten, die auf übermäßiges Essen oder Trinken zurückzuführen sind. In der Homöopathie hat man schon immer danach gefragt. Die Überlastung des Verdauungssystems kann genauso zu einer Dekompensation/Entgleisung führen wie eine sonstige körperliche oder psychische Überbeanspruchung. Je nach Konstitution ist der eine Mensch anfälliger als der andere. (PDF-Version zum Download)

Kindergeburtstag

  • Oft gibt es Eis, Kuchen, Süßigkeiten im Übermaß. Wenn dann abends der Jammer beginnt und das Kind vor Bauchschmerzen nicht schlafen kann, hat sich Pulsatilla pratensis bewährt: Puls. C6, alle 15 min. eine Dosis bis zum Abklingen der Schmerzen oder Übelkeit ist in den meisten Fällen ausreichend. Dies hilft oft auch Erwachsenen, die aus dem gleichen Grunde leiden.
  • Menschen, die unter einer Nahrungsmittelallergie oder Unverträglichkeiten gegen Fett oder bestimmte Nahrungsmittel leiden, kann man mit der Konstitutionstherapie gut helfen. Aber hier muss der Arzt sehr viel mehr Daten bekommen und eine Arznei verordnen, die für den ganzen Menschen passt und nicht nur als Hilfsmittel für Unpässlichkeiten zum Einsatz kommt.

Nur für Erwachsene: Nux vomica – der Insidertipp!

  • Wenn Erwachsene feiern, kommen andere Aspekte dazu: der Alkohol belebt, fördert die Gesprächigkeit und macht unkritisch: man rechnet nicht mehr so genau, was man gegessen oder getrunken hat. Beim Katzenjammer am morgen danach klagt der Berliner: “Eins von den 14 Bierchen war wohl schlecht!?” Nur selten ist es möglich und sinnvoll, die Beschwerden auf ein einzelnes der Nahrungsmittel und Getränke zurückzuführen.
  • Natürlich gibt es Menschen, die immer zuviel essen oder immer zuviel trinken… eine Sucht muss man professionell angehen und man wird hier kaum Erfolg mit einer rein medikamentösen Hilfe erwarten dürfen.  Der so genannte Kater, der Brummschädel mit Unwohlsein nach Alkoholabusus wird von vielen nicht als Krankheit sondern als wohlverdiente Buße nach einem Diätfehler hingenommen. Das muss nicht so sein! Wer nach einer durchzechten Nacht einen Kater hat mit typischen Beschwerden wie Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen, kommt meist erstaunlich gut mit Nux vomica zurecht. Nux-v. C6 oder C30, alle 15 min. bis zum Abklingen der Beschwerden, ist eine große Erleichterung und beschleunigt die Wiederherstellung erheblich.
  • Falls nicht Bier und Schnaps sondern Wein oder gar Champagner für die Beschwerden verantwortlich sind, muss man manchmal einen Schritt weiter gehen. Dann braucht es eine spezifische Arznei wie Sulfur oder Arsen. Dies klären Sie am besten in einem Telefonat mit einer ausgefüllten Akutanamnese im Hintergrund.

Die Entgiftung selbst ist natürlich das vordringlichste Ziel.

  • Erbrechen und auch Durchfall als Folge von Überessen und zu hohem Alkoholkonsum sind unter diesem Aspekt ein sinnvoller Reflex unseres Organismus und sollten nicht willkürlich verhindert sondern begleitend beobachtet und ausgeglichen werden. Die Flüssigkeits- und Salzverluste sollten möglichst kontinuierlich ausgeglichen werden: das Katerfrühstück sollte immer salzreich sein.
  • Körperliche Aktivität (auch gerade der Tanz bei der Feier) ist eine hervorragende Möglichkeit, den Alkohol zu verbrennen und schneller abzubauen als das in Ruhe geschähe.
  • Der “erfahrene Trinker” weiß, dass fettreiche Kost die Alkoholaufnahme verlangsamt. Gleichzeitig sollte er aber berücksichtigen, dass er damit nur scheinbar mehr verträgt. Es dauert halt wieder länger bis er wieder Auto fahren darf. Was ihn aber vom Wenigtrinker unterscheidet: die Alkoholdehydrogenase ADH, das Enzym welches den Alkohol abbaut, ist in einer höheren Konzentration und Aktivität im Einsatz, das heißt, der Alkoholabbau ist schon ein wenig beschleunigt, wenn auch auf Kosten der Leber, die diese hohe Entgiftungsleistung unter Aufopferung eigener Zellen bewerkstelligt und irgendwann den Dienst einstellt. Die Leber wächst zwar mit ihren Aufgaben (von Hirschhausen)… aber nur eine Weile, dann schrumpft sie wieder und wird hart.

Wenn alles nicht hilft…

  • Wenn die Trinkmenge eindeutig zu hoch war, der Betroffene nicht mehr ansprechbar ist oder gar die Atmung nicht mehr zuverlässig funktioniert (Komasaufen), kommt man um eine Klinikseinweisung nicht herum, wo zunächst der restliche Mageninhalt geleert wird und dann eine Kontrolle und Stabilisierung der Vitalfunktionen unter Aufsicht erfolgen muss.
  • Frühzeitig Notruf absetzen und den Betroffenen nicht alleine lassen!
  • Stabile Seitenlage mit Sicherung der Atemwege.